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Ein bisschen Weingeschichte

Alles über Reben

Reben gab es schon vor 80 Mio Jahren auf dieser Welt - Wildreben natürlich. Auch in unseren Breiten waren sie (außer während der Eiszeiten) heimisch. Wie Lianen hingen ihre Triebe in den Bäumen. Wenige, kleine und meist ziemlich saure Beeren hingen daran. Die letzten Rückzugsräume dieser Wildsorten waren die Aue-Wälder am Rhein. Schon in der Frühzeit der Menschen haben die Jäger und Sammler unbewußt eine Zuchtauswahl getroffen. Sie haben auf ihren Streifzügen nämlich immer nur die süßesten dieser wilden Beeren gepflückt. Damit haben sie unbewusst das beste Genmaterial gesammelt. Denn über ihre Ausscheidungen haben sie die unverdauten Kerne in der Nähe der ersten Dörfer konzentriert wieder ausgesät. Diese Wildreben waren übrigens fast ausnahmslos rote Sorten. Sie sind heute weitgehend ausgerottet, die Rheinbegradigung hat ihren Lebensraum vernichtet, außerdem waren sie hilflos den Rebkrankheiten ausgeliefert, die im 19. Jahrhundert aus Amerika eingeschleppt wurden.

Später ging der Mensch bewusst dazu über, die Stöcke mit den besten Trauben auszuwählen, anzupflanzen und miteinander zu kreuzen. So entstanden die Kultursorten.

Die Antiken Kulturen benannten ihre Weine nach der Herkunft. Plinius nennt im 1. Jahrhundert 80 verschiedene Weine. Allerdings ist unklar, aus welchen Sorten sie gekeltert wurden. Nur an wenigen Stellen finden sich genauere Beschreibungen von Traubensorten. Die Sorten spielten auch bis in die Zeit um 1500 keine große Rolle, weil diese Weine
nicht geschwefelt waren und deshalb eher wie Sherry schmeckten - die Sortenunterschiede sind da im Geschmack kaum mehr feststellbar. Wichtig war nur, dass die Trauben viel Ertrag brachten, viel Zucker hatten - damit sie viel Alkohol bilden konnten - und nicht vor Säure strotzten.

Erst mit der Schwefelung kam so etwas wie ein Sortenbewusstsein auf. Die Fürsten verlangten ihren Zehnten von den besten Weinen und förderten deshalb den Anbau immer besserer Sorten. Allerdings wuchsen diese Hauptsorten immer gemischt mit anderen - um das Risiko von Missernten zu vermindern und um in schlechten Jahren den Geschmack aufzubessern. Der sogenannte "gemischte Satz" war bis ins 20. Jahrhundert hinein üblich.

Die Herkunft einzelner Sorten zurückzuverfolgen, ist ein schwieriges Unterfangen. Kenner, die sich ein Bild machen wollen, haben dazu bestenfalls historische Beschreibungen zur Verfügung. In neuerer Zeit können Gen-Untersuchungen helfen, zumindest Verwandtschaftsbeziehungen zu klären.
Dabei hat sich gezeigt, dass der Traminer wohl den Wildreben im heutigen Rhein- und Donauraum am nächsten steht. Auch der Ortlieber - ganz selten noch in Baden angebaut - soll eine uralte Wild-Rebe sein und auch die Orangentraube (nur noch in Österreich im Klosterneuburg in einem Rebgarten) stammt von Wildreben ab.
Über den Riesling, den Silvaner und den Spätburgunder wird gemutmaßt, dass sie bereits in römischer Zeit angebaut worden sein könnten. Aber beweisen läßt sich das nicht. Viel eher ist anzunehmen, dass die Römer Nachfahren der Mittelmeer-Wildreben genutzt haben. Sie haben im Unterschied zu den mitteleuropäischen große Trauben, lockere Beeren und sind frostempfindlich. Mit den Römern selbst, aber vor allem mit den Kreuzfahrern sind diese Sorten nach Deutschland gekommen. Der Gutedel könnte einer der ältesten davon sein. Heute nur noch im Markgräfler Land zuhause, stammt er wohl aus Palestina. Ähnlich die Karriere des Muskatellers. Der Elbling gehört dazu, er ist wahrscheinlich über Italien und Frankreich hierhergekommen. Der Malvasier hat ebenfalls alte, südländische Quellen, ebenso der Portugieser und der Trollinger.
Viele der alten Sorten sind längst völlig ausgestorben. Sie waren "klassisch aber auch klassisch schlecht" (Dr. F. Schumann, SLFA Neustadt). Etwa eine Sorte namens Geisdutte, deren charakteristische Trauben sich auf Tempelbildern in Palmyra (Syrien) finden. Sie ist wohl in Deutschland nicht recht reif geworden.
Außerdem wurde die jeweils vorherrschende Sorte leicht von besseren verdrängt. Mehr Zucker, mehr Aroma und mehr Ertrag waren letztlich immer die Gründe für diesen Wandel.